Worte an die Gemeinde

Andrea Knauber

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Hamidbar medaberet“, die Wüste erzählt, so  hören wir von unserem israelischen Guide auf der Tour durch die Judäische Wüste. Auch für diejenigen, die nicht Hebräisch sprechen, ist die Wortverwandtschaft und der Zusammenhang dieser beiden Worte hörbar: Die Wüste erzählt. Auch die Judäische Wüste, eine so genannte Halbwüste, die von Jerusalem hinunter an das Tote Meer führt.  
Wir stehen auf dem Berg Azazel, der höchsten Erhebung dieser steinigen, trockenen Landschaft, an jenem Ort, von dem aus nach frühem biblischen Brauch am jährlichen Versöhnungstag ein Widder beladen mit den Sünden des Volks in die Wüste geschickt wurde. Es ist der Ort, wohin man bis heute sprichwörtlich jene Menschen hinschickt, die man – aus welchem Grund auch immer - gerne anderswohin wünscht: Geh zum Azazel!  
Die Wüste erzählt. Auch dieser Berg tut es. Man muss nur hinhören. Er erzählt von der Versöhnung Gottes mit seinem Volk Israel. Er erzählt von Vergebung und von Neubeginn. Durch Jesus fühle ich mich hineingenommen in diese Geschichte Israels, fühle mich mit angesprochen, wie ich da so auf dem Berg Azazel stehe und der Wind sanft um mich streicht.
Die Wüste erzählt. Sie erzählt von den Wundern Gottes. Der Auszug aus Ägypten und die Rettung des Volkes Israel am Schilfmeer gehört zu den großen Wundern. Eher klein dies Wunder: dass Gott auf Wüstenwegen, die oft wüste Wege sind, dem Volk Israel oder dem Propheten Elia Nahrung schenkt. Und auch Wasser. „Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich um frischen Wasser.“, beten wir in jüdisch-christlicher Gemeinschaft mit dem 23. Psalm.
Hier in der Judäischen Wüste werden diese Psalmworte greifbar. Sie kommen uns im Wortsinn nahe – in Form einer Ziegenherde, die ein Schafhirt an die Zisterne führt, vor der wir gerade Halt gemacht haben und erklärt bekommen, wie das kostbare Wasser in der Wüste gesammelt wird. Der Hirte ist ganz schön schnell mit seinen Tieren unterwegs bzw. die durstigen Tiere mit ihm. Sie haben es eilig, zur Tränke zu kommen. Und wir sozusagen mitten drin. Mit ruhiger Hand zieht der Hirte viele Eimer Wasser aus der Zisterne. Klares, reines Wasser!  
Wasser in der Wüste. Einmal von Menschen in Zisternen gesammelt, einmal von Gott auf wunderbare Weise geschenkt. Davon erzählt die Wüste. Vom Leben spendenden Wasser. Und von anderen Wundern. Etwa der Nacht von Bethlehem, ein Ort im judäischen Land, am Rande der gleichnamigen Wüste. Doch das ist eine andere Geschichte. Sie wird bald aus jener Gegend zu uns kommen: In der Christnacht!  
Bis dahin wünsche ich Ihnen und euch eine gesegnete Adventszeit. Zeit zum Hören auf das, was Gott auf krummen und geraden Wegen, auf Wegen durch grüne Auen oder Wüstenpfaden sagen will. Und das hat immer mit Versöhnung, mit Frieden, mit Neubeginn zu tun. Hören wir hin. Hören wir neu! In den Adventsandachten, auf dem Weg durch den Advent, in den Festgottesdiensten, wohin ich herzlich einlade!  

Ihre Pfarrerin


 

  Andrea Knauber


Aktualisiert am 20. November 2017