Worte an die Gemeinde

Andrea Knauber  

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“. Man muss schon ein wenig in den Zusammenhang eintauchen, um diese Worte aus dem Markusevangelium 9, Vers 24 zu verstehen, die uns als Jahreslosung durch das Jahr 2020 begleiten. Was denn nun? Geht es hier um Glauben oder Unglauben?
Letztlich geht es in der biblischen Erzählung um beides. Weil beides zusammengehört. Weil sich schnell mal im Glauben der Unglaube, der Zweifel breit macht. Und umgekehrt im Zweifel der Glaube!
Wie bei dem Vater eines seit Kindertagen schwerkranken Kindes, von dem im Markusevangelium erzählt wird. Die Krankheit hat beider Leben seit so vielen Jahren immer wieder heftig durcheinander gewirbelt. Hilfe sucht der Vater zunächst bei den Jüngern von Jesus. Doch sie können nichts für den Jungen tun. Jesus kommt hinzu. Der Vater wendet sich an ihn. „Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“, fleht er Jesus an. Dieses ‚Wenn du kannst‘ fordert Jesus heraus. Denn immer schon hat er darunter gelitten, dass gerade die Leute, die von seinen Heilungen und Wundern gehört, sie vielleicht selbst sogar erlebt hatten, so wenig Glauben aufbringen konnten. Doch was ist Glaube eigentlich? Beschreiben wir ihn mal weniger als ein Fürwahrhalten kirchlicher Glaubenssätze, sondern als einen durch Gott geförderten Mut zum Leben. Dieser Mut wird dem Vater in der Begegnung mit Jesus geschenkt. „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt“, sagt Jesus dem Vater. Das muss dem Vater wie eine große Einladung vorgekommen sein. Ja, das möchte er glauben! Für sich selbst und besonders für sein Kind! Er ergreift seine Chance und schreit laut: „Ich glaube...“. Doch ein Rest Unglaube, Zweifel bleiben ihm. Daher die Bitte: „...hilf meinem Unglauben!“
Sein Schrei hat große Wirkung. Jesus heilt den Jungen. Dabei hat er ganz offensichtlich weniger auf den Unglauben als auf den Glauben des Vaters geschaut, hat sich ihm zugewandt und hat geholfen. Das wird er auch bei mir tun. Darauf möchte ich vertrauen. Das möchte ich glauben.
So grüße ich Sie herzlich mit guten Wünschen für die herbstlich-winterlichen Wochen, für die Fest- und Feiertage rund um das Christfest und den Jahreswechsel. Möge Gott Ihren Glauben stark machen und Ihnen Mut zum Leben im neuen Jahr schenken.  

Ihre Pfarrerin

Andrea Knauber 


Aktualisiert am 06. Dezember 2019